Renato_Salvi_036%2520(2)_edited_edited.jpg
 
 

Wie weiter?

Seit 1988 bin ich freier Theatermacher und Texter. Ich gehörte noch nie zu den Typen, die daran glaubten, ein Talent für das zu besitzen was sie tun. Ich tat es einfach. Ebenso waren mir weder die Ovationen und der Applaus des Publikums wichtig. Das suchte ich vor 33 Jahren nicht, als ich die Theaterschule besuchte und die Bühne betrat. Es waren Neugier und Zufall, die aus mir einen Theatermacher machten. Durch ständiges Training und den Besuchen von Weiterbildungen gewann ich tiefere Einblicke in die unterschiedlichsten kreativen Themen. Ich lernte, was ein Drehbuch ausmacht und wie man ein Theater-Skript verfasst. Das Aneignen von Wissen in den Bereichen Werbetexte, Satire, kreativ Schreiben und Redigieren halfen mir zusätzlich, den Anforderungen die Theatermacher ausgesetzt sind gerecht zu werden. Das Gefühl, dass ich das was ich tue gar nicht wirklich mit Talent beherrsche, trieb mich stetig an und ließ mich nie zufrieden sein. Das war und ist mitunter für mein Umfeld sehr anstrengen. Zum Glück habe ich eine verständnisvolle Ehefrau und einen noch verständnisvolleren Mops. Beide unterstützen mich in dem was ich tue und geben mir Kraft für neue kreative Projekte.

Im Moment bin daran, unterschiedliche Ideen umzusetzen. Vor ein paar Wochen habe ich ein Hörspiel fertiggestellt, welches sich mit dem Corona-Thema beschäftigt. Ein Thriller, aus dem ich danach noch ein Drehbuch verfasste, welches nun zur Sichtung bei einigen Filmproduzenten und Fernsehredaktionen liegt. Davor habe ich ein Zweipersonen-Theaterstück, ein Skript geschrieben, welches ich mit Jasmin Clamor auf die Bühne bringen wollte. Dieses Theater-Stück ist für eine, mit Talent fürs Humoristische gesegnete, Darstellerin ausgelegt. Jasmin Clamor verfügt genau über dieses Talent und ich hätte ihr den Applaus dafür gegönnt, hätte dieser Virus nicht etwas dagegen gehabt. Theaterspielen wird nun für einige Zeit unmöglich sein und wie es sich "danach" gestaltet weiss noch niemand. Daher konzentrierte ich mich auf meinen Podcast «Applaus! Talent ist lernbar. Der Theater-Berater». In diesem Podcast dreht sich alles um die Themen Theater und Talent. Das ist auch für mich Neuland. Nicht nur aus technischer Sicht, das Aufnehmen des Podcast, das Schneiden der Episoden und das Mastern dieser, sondern auch über das, was ich nun seit 1988 tue in diesem Podcast zu sprechen. Podcast gibt es schon lange und durch Zufall stieß ich auf dieses Medium und es macht mir von Tag zu Tag mehr Spass. Im Laufe der Vorbereitungen zum Podcast «Applaus! Talent ist lernbar» wurde mir bewusst, dass es viele Menschen gibt, die felsenfest davon überzeugt sind, dass Talent etwas ist was man geschenkt bekommt. Tatsächlich bin ich da komplett anderer Ansicht. Talent ist lernbar! Das sage ich auch immer wieder in meinem Podcast. Was man vielleicht geschenkt bekommt ist ein Geschick für gewisse Dinge. Das Interesse etwas gut zu können ist aber etwas, was jeder selbst aufbringen muss. Zum Schluss wird man als Talent wahrgenommen, was aber lediglich das Resultat von viel Arbeit und noch mehr Übung ist. Deswegen glaube ich, dass Talent lernbar ist. Ich habe es so erlebt, denn man kommt nicht als Theatermacher auf die Welt. Applaus bekommt man auch nicht geschenkt, den muss man sich erarbeiten. Nie glaubte ich daran, dass ich ein Drehbuch schreiben könnte oder Texte verfassen würde die anderen Menschen gefallen. Kreativ zu sein, das glaubte ich jahrelang, sei nur besonderen Menschen vorbehalten und zu denen zählte ich mich nie. Auch heute empfinde ich das was ich tue nicht als etwas Besonderes. Einen Podcast zu produzieren, Texte zu schreiben, ein Skript verfassen, ein Drehbuch erschaffen und als Theatermacher zu wirken ist Arbeit. Bis man den Applaus entgegennehmen darf sogar viel Arbeit. Aus diesem Grund empfinde ich meinen Beruf, meine Tätigkeit eher als Handwerk statt als Kunst oder als Talent. Das war schon immer so. Nie hätte ich mich selbst als «Künstler» oder «Talent» bezeichnet. Oft bat ich darum mich als «Handwerker» zu sehen. Dieser Ausdruck trifft auch voll und ganz zu. Um ein Theater-Skript zu schreiben braucht es einiges an Grundwissen. Das fliegt keinem zu, das muss man sich erarbeiten. Es gibt Techniken und Rahmenbedingungen, die dem Texter helfen, beim Schreiben eines Drehbuchs. Selbst das «Erfinden» von Geschichten hat weniger mit Talent als mit Technik zu tun. Wenn man weiss, was man alles braucht, um auf Ideen zu kommen, dann setzt man diese Hilfsmittel ein. Das ist Handwerk und weder Kunst noch Talent. Das kann auch jeder, egal ob er Talent hat oder nicht. Das Aneignen von Talent hat mit viel Arbeit und Ausdauer zu tun. Das sind Grundeigenschaften, die jeder Mensch aufbringen kann, wenn er will. Darum glaube ich, dass es nicht Talent ist, was die Einen von den anderen unterscheiden, sondern vielmehr die Ausdauer und Leidensfähigkeit, die man bereit ist aufzubringen, um sich ein Handwerk anzueignen. Nach 33 Jahren als Theatermacher kann ich unterdessen den Applaus auch geniessen. Er ist für mich eine kleine Genugtuung für den «Leidensweg» den ich bis hier hin gegangen bin. Gleichzeitig motiviert mich der Applaus noch besser zu werden. Noch weiter zu gehen und noch erbarmungslos kritischer mit mir zu sein. Das betrifft alles was ich tue. Ob Podcast, Texte, Drehbuch, Skript oder als Theatermacher. Mit 52 Jahren begreife ich endlich um was es im Leben wirklich geht. Um das Lernen. Nach Vorne blicken. Nie zurück. Keiner sollte glauben er habe das Ziel erreicht, denn es gibt kein Ziel. Nur einen Weg. Und dieser Weg hat viele Gabelungen und keine Wegweiser. Deswegen muss man ihn einfach gehen. Auch wenn man irgendwann denkt, man hätte lieber einen anderen Weg eingeschlagen. Es spielt keine Rolle. Man wird nie ankommen, denn ein Endziel gibt es nicht.


Natürlich gehört zu jedem Lebensweg auch eine Portion Glück dazu und Menschen, die an einen glauben. Es freut mich sehr, dass ich beides unlängst traf und mir mit 52 Jahren nun eine komplette berufliche Umstellung ermöglicht wird. Ich bedanke mich bei den Verantwortlichen für das Vertrauen und freue mich auf die neue Herausforderung ab 3. August 2020, die ich mit vollem Einsatz und mit grosser Freude annehme!

 
  • Twitter

©2020 Renato Salvi